Unser Auftritt in Prößdorf
Rock im Park - Prößdorf nannte sich die Veranstaltung, an der wir am 02.Juli teilnahmen. Der Ort des Geschehens liegt in einer scheinbar von der Zivilisation vergessenen, aber traumhaft schönen Landschaft in Thüringen. Ich erinnere mich an ein Dorf - Langendorf - , welches gleich in der Nähe lag, komplett aus krummen und schiefen Fachwerkhäusern bestand und wo dunkelhaarige Katzen mitten auf der Straße schliefen. Unwillkürlich drängt sich einem die Frage auf, wovon die Menschen hier eigentlich leben, wohin gehen sie zur Arbeit. Aber egal, das soll schließlich kein Reiseführer sein, sondern ein kurzer Bericht über unseren Auftritt. Um es gleich vorwegzunehmen, die Enttäuschung begann quasi kurz nach dem unsere Füße das Festivalgelände berührten. Uns erwartete ein völlig aufgelöster Organisator, der versuchte in mitten der hohen Lautstärke schreiend und wild gestikulierend seiner Verwirrung Ausdruck zu geben. Ein besonderer Grund für seine grenzwertige Desorientierung war nicht auszumachen. Wir sollten jedenfalls sofort mit dem Soundcheck beginnen, also ca. 45 Minuten eher als geplant. Wir schleppten unser Equipment auf die Bühne ( immer umgeben von dieser durchgeknallten Person ) und wurden gleich mit technischen Problemen konfrontiert - unkontrolliertes Brummen und Nichtfunktionieren meines Gitarrenverstärkers und kompletter Ausfall der Soundeffekte. Ausschlussmethode, Überprüfung der Anschlüsse, Kabelwechsel - nichts. Im Grunde kein Problem. Ich hab es noch nie erlebt, dass man solche Schwierigkeiten nicht in den Griff bekommt. Es sei denn, ja es sei denn man wird mit Veranstaltern konfrontiert, die wild an Kabeln (an unseren) herumreißen, laut “Scheiße!” brüllen und meinen man müsse jetzt anfangen, egal was passiert (eine Stunde vor geplanter Auftrittszeit). Da hab ich Luft geholt und geschrieen: “Du bekacktes Arschloch hältst jetzt deine Drecksfresse oder ich reiß dir den Kopf ab!” Nein, das hab ich natürlich nicht getan. Denn völlig spontan funktionierte die Technik wieder und wir legten los. Wir spielten ca. eine Stunde und hatten ein tolles Publikum. Ich will mal abschließend ein Plädoyer an die Veranstalter dieser Republik halten. Ich weiß es gibt massenhaft Bands, die alle nichts anderes wollen, als einen Gig zu kriegen. Ihr müsst niemanden in den Arsch kriechen, keine Frage. Aber es nervt, als Musiker alle fünf Minuten mit dem Gastspielvertrag herumzuwedeln und sich kurz vorm Gig um Probleme zu kümmern, die keine sein müssten. Mal ganz abgesehen vom mangelnden Respekt uns gegenüber. Es gibt genug Veranstalter, die einen behandeln wie Dreck. Was bleibt einem anderes übrig, als dem mit Arroganz zu begegnen. Wir sind wirtschaftlich voneinander abhängig und sollten uns in einem gewissen Rahmen auch so verhalten. Und übrigens, meint Ihr nicht auch, dass gutgelaunte Bands auch gute Gigs machen? Denn geht’s hier nicht um Entertainment oder hab ich da was falsch verstanden?
2. July 2005